Warum die Felsen vor Kemer gutes Oktopus-Revier sind
Ein Oktopus braucht zwei Dinge: ein Loch zum Wohnen und Beute, die er heimtragen kann. Genau das betaucht der Kemer-Tauchtag — Blockfelder und Felsformationen voller Spalten, Kanten und Überhänge, mit Krabben und Muscheln im selben Geröll. Sandige, strukturlose Böden bieten keinen Unterschlupf; gebrochener Fels bietet tausend Haustüren.
Der zweite Vorteil dieses Abschnitts ist die Sicht. Vor Kemer steht das klarste Wasser dieser Küste, und Oktopusse findet man über kleine Details: eine Farbe, die nicht passt, eine Textur, die einmal kurz wellt. In trübem Wasser verschwinden diese Details, bevor man nah genug ist, um sie zu lesen. Unsere Instruktoren dort sind PADI-zertifiziert und wissen, an welchen Riffen es früher Höhlen gab — deshalb setzen sie eine Gruppe oft in der richtigen Nachbarschaft ab.
Ein Versprechen ist das nicht. An manchen Tagen sehen Sie zwei, an anderen keinen, und wer etwas anderes behauptet, will etwas verkaufen. Sagen lässt sich: Oktopus-Sichtungen sind am Kemer-Tag normal und keine Sensation — und sie passieren gut innerhalb der Anfängertiefen von 5–8 Metern beim ersten und rund 13 Metern beim zweiten Tauchgang. Für eine Begegnung brauchen Sie also kein Brevet.
So finden Sie tatsächlich einen
Fast niemand findet einen Oktopus, indem er einen Oktopus sieht. Man findet den Abfallhaufen: das ordentliche Häufchen leerer Muschelschalen, Krebsscheren und Steinchen, das ein Oktopus nach dem Fressen vor seiner Höhle stapelt. Es sieht zu aufgeräumt aus, um Zufall zu sein — weil es keiner ist. Wenn Sie so ein Häufchen entdecken: anhalten und das Loch dahinter ansehen.
Dann suchen Sie das Auge. Ein versteckter Oktopus ist meist ein dunkler Spalt mit einer waagerechten Pupille darin oder ein "Stein", dessen Haut eine Spur zu glatt wirkt. Beobachten Sie kurz: Farbwechsel, ein atemartiges Pulsieren des Mantels, eine einzelne Armspitze, die sich einrollt. Bewegung bricht die Tarnung — und die Tarnung ist der Grund, warum Sie an dreien schon vorbeigeschwommen sind.
Langsam bewegen, vom Grund fernbleiben. Schnelle Flossenschläge schieben eine Druckwelle vor Ihnen her, und das Tier ist weg, bevor Ihr Blick ankommt; aufgewirbelter Sand ruiniert die Sicht für alle hinter Ihnen. Gute Tarierung ist das eigentliche Suchwerkzeug. Und nutzen Sie Ihren Guide: Unsere Instruktoren tauchen diese Plätze ständig — geben Sie ihnen ein Handzeichen, statt hinterherzujagen. Oft führen sie Sie direkt zu einer Höhle zurück, über die Sie hinweggeschwommen sind.
Schauen, nicht anfassen — und warum das zählt
Die Regel ist einfach: Hände weg, immer. Ziehen Sie keinen Oktopus aus seiner Höhle, stochern Sie nicht mit Finger oder Pointer, lassen Sie ihn sich nicht fürs Foto um den Handschuh legen — und lassen Sie es auch niemanden in Ihrer Gruppe tun. Anfassen stresst das Tier, kann seine Haut schädigen und führt oft dazu, dass es die Höhle aufgibt. Dann findet das nächste Boot, der nächste Gast, dort nichts mehr. Ein angefasstes Riff ist bald ein leeres Riff.
Fürs Fotografieren gilt dieselbe Logik: Abstand halten, das Tier ankommen lassen statt es zu bedrängen, und ihm nicht Blitz um Blitz in die Augen feuern. Die besten Oktopus-Aufnahmen zeigen fast immer ein entspanntes Tier bei seinen Angelegenheiten, kein verschrecktes in einer Tintenwolke.
Das ist bei allen fünf Tagen Standard und Teil des Briefings vor jedem Tauchgang. Wenn Oktopusse Ihr größter Wunsch sind, sagen Sie es beim Briefing — die Instruktoren halten Ausschau und holen Sie dazu, wenn sie einen finden. Steht Tierbeobachtung ganz oben, vergleichen Sie die Tage auf der Preisseite oder schreiben Sie uns; wir sagen Ihnen ehrlich, was zuletzt zu sehen war.