Warum Hände weg, ganz nüchtern
In dem Moment, in dem eine Skulptur im Meer stand, hörte sie auf, Statue zu sein, und wurde Lebensraum. Innerhalb einer Saison tragen die Oberflächen einen feinen biologischen Film — Algen, winziger Bewuchs in Faltenwürfen und auf den Schultern —, und dieser Film ist der Anfang der Nahrungskette, die Fische überhaupt erst auf einen sandigen Meeresboden lockt. Eine Handfläche, die über eine Schulter streicht, wischt eine Fläche davon ab und hinterlässt eine kahle Stelle, die deutlich länger zum Nachwachsen braucht, als das Anfassen gedauert hat.
Es gibt auch einen eigennützigen Grund. Ihre Hände bringen Sonnencreme und Hautfett mit und nehmen mit, was auf dem Stein wächst. Bewuchs kann scharfkantig sein; eine kleine Schürfwunde in 12 Metern ist am selben Tag eine Kleinigkeit und im restlichen Urlaub ein Ärgernis.
Und dann das Praktische: Das Museum ist ein gemeinsam genutzter Platz. Würde jeder Taucher jedes Bootes eine Figur anfassen, wären die vorderen Skulpturen blank gescheuert und nur die hinteren sähen so aus, wie das Meer sie meint. Deshalb gilt am Tauchtag Unterwassermuseum Side genau eine Regel: schauen, schweben, fotografieren, nicht greifen.
Die Fähigkeit dahinter: Tarierung und Flossenkontrolle
Anfänger fassen aus einem Grund an: Sie sinken und greifen zu, um sich zu stoppen. Die Lösung ist also nicht Willenskraft, sondern Tarierung — und die wird eingestellt, lange bevor Sie eine Skulptur sehen. Beim ersten, flachen Tauchgang des Tages richtet der Instructor Ihr Blei ein und zeigt Ihnen, wie wenig Atemzug es braucht, um zu steigen oder zu sinken. Sobald Sie Ihre Tiefe mit der Lunge statt mit den Händen halten, verschwindet der Griffreflex.
Flossen sind so wichtig wie Hände. Das Museum steht auf Sand, und ein kräftiger Abwärtsschlag hebt eine Wolke, die minutenlang im Wasser hängt — sie ruiniert das Foto des Hintermanns und verdeckt die nächste Figur vollständig. Die Gewohnheit, die wir vermitteln, ist einfach: leicht oberhalb des Objekts bleiben statt auf gleicher Höhe, beim Heranschweben die Flossen höher halten als den Kopf, kurze langsame Schläge statt großer.
Brevetierte wissen das; sie hören es im Briefing trotzdem, denn erfahrene Taucher in ungewohnter Leihausrüstung stoßen am ehesten an. Wenn Ihre Tarierung nach ein paar Jahren Pause eingerostet ist, sagen Sie es beim Briefing und nicht auf 12 Metern.
Was Sie dort unten sehr wohl dürfen
Eine Menge. Sie dürfen so nah heran, wie Ihre Tarierung es zulässt — nah genug, um die Struktur des Bewuchses und die Fische an den Oberflächen zu sehen. Sie dürfen über einer Figur stehen bleiben und einfach dort verharren; in dieser Tiefe liegen die Skulpturen im Tageslicht, weshalb Schweben mehr bringt als Runden zu drehen. Und Sie dürfen fotografieren, so viel Sie wollen, mit Kamera oder Actioncam; in rund 12 Metern reicht das natürliche Licht meist für brauchbare Bilder.
Sie dürfen außerdem Futter in die Hand nehmen, während der Instructor es hält, und den Schwarm zu sich kommen lassen — der eine Moment des Tages, in dem die Tierwelt Sie berührt. Ausführlich steht das unter kann man wirklich Fische unter Wasser füttern.
Dieselbe Etikette gilt an allen anderen Plätzen. Am Tauchtag Alanya liegt wenige Minuten vom Hafen das Amphorenfeld mit antiken Krügen — das ist Archäologie, und dort geht es nicht um gute Manieren, sondern darum, den Meeresboden so zu hinterlassen, wie wir ihn vorgefunden haben. Die Regel ist leichter zu merken, als sie klingt: nichts mitbringen, nichts mitnehmen, keine Spuren hinterlassen.